Überhangmandate-Rechner

Bundestagswahl 2025 nachgerechnet: 23 Wahlkreissieger ohne Mandat (CDU 15, AfD 4, CSU 3, SPD 1). Mit eigenen Zahlen und Vergleich zu Überhang und Ausgleich.

Stand 23.09.2026Quelle: Bundesministerium der JustizVon Sebastian Wiercinski

Deine Angaben

Ergebnis aktualisiert sich direkt
Datengrundlage

Bundestag seit 2025: 630, vorher 598.

Gilt nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 30.07.2024 weiter.

Wahlkreissieger ohne Mandat23 Wahlkreise
Parlamentsgröße nach Wahlrecht 2023
630 Sitze
Betroffene Parteien
CDU 15, AfD 4, CSU 3, SPD 1
Größe nach Altregel (Überhang + voller Ausgleich)
683 Sitze
Überhangmandate nach Altregel
23
Ausgleichsmandate nach Altregel
30
Vergrößerung nach Altregel
8,4 %
Sitze je Partei: Wahlrecht 2023 und Altregel
ParteiZweitstimmenSitze 2023er RechtWahlkreise gewonnendavon mit Mandatohne MandatListenmandateSitze Altregel
CDU22,55 %1641431281536179
AfD20,8 %15246424110165
SPD16,41 %1204544176130
GRÜNE11,61 %85121207392
Die Linke8,77 %646605869
CSU5,97 %4447443047
SSW0,15 %100011
BSW (unter Hürde)4,98 %000000
FDP (unter Hürde)4,33 %000000
FREIE WÄHLER (unter Hürde)1,55 %000000
Nicht gedeckte Wahlkreise nach Ländern
LandParteiWahlkreise gewonnenSitze der Landeslisteohne Mandat
Schleswig-HolsteinCDU981
HessenCDU20155
Rheinland-PfalzCDU14113
Baden-WürttembergCDU35296
BrandenburgAfD981
Mecklenburg-VorpommernAfD651
SachsenAfD15141
Sachsen-AnhaltAfD871
BremenSPD211
BayernCSU47443
Sitze nach Wahlrecht 2023 und nach Altregel
050100150200CDUAfDSPDGRÜNEDie LinkeCSUSSW
Wahlrecht 2023Altregel mit Ausgleich
Rechenweg mit deinen Zahlen
  1. Oberverteilung: 630 Sitze nach Zweitstimmen (Sainte-Laguë/Schepers) auf die Parteien über der Hürde.
  2. Unterverteilung: Sitze jeder Partei nach Zweitstimmen auf ihre 16 Landeslisten; je Land erhalten die Wahlkreissieger mit dem höchsten Erststimmenanteil die Listensitze.
  3. Ergebnis: 23 Wahlkreissieger ohne Mandat (CDU 15, AfD 4, CSU 3, SPD 1), Parlament bleibt bei 630 Sitzen.
  4. Altregel zum Vergleich: 23 Überhangmandate, ausgeglichen durch 30 Ausgleichsmandate → 683 Sitze.

Was sind Überhangmandate und was gilt nach der Wahlrechtsreform 2023?

Überhangmandate entstanden früher, wenn eine Partei mehr Wahlkreise direkt gewann, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis Sitze zustanden. Diese zusätzlichen Direktmandate blieben erhalten. Damit das Verhältnis der Zweitstimmen wieder passte, bekamen andere Parteien Ausgleichsmandate. Genau dadurch konnte der Bundestag größer werden als die Regelgröße.

Nach der Wahlrechtsreform 2023 läuft die Rechnung anders. Die Sitzzahl bleibt bei der eingestellten Regelgröße, beim Bundestag 2025 also bei 630 Sitzen. Direkt gewonnene Wahlkreise führen nur dann zu einem Mandat, wenn sie durch Zweitstimmen-Sitze der Partei im jeweiligen Land gedeckt sind. Reichen diese Sitze nicht, ziehen einzelne Wahlkreissieger nicht ein.

Der Begriff Überhangmandat ist deshalb für das neue Bundeswahlrecht nur noch ein Vergleichsbegriff: Du kannst ausrechnen, wie viele Überhänge nach der früheren Logik entstanden wären. Im Ergebnis nach Wahlrecht 2023 werden sie aber nicht mehr als zusätzliche Sitze vergeben.

Wie funktioniert Zweitstimmendeckung im Überhangmandate-Rechner?

Du wählst die Datengrundlage, Regelgröße, Sperrklausel und Grundmandatsklausel und trägst bei eigenen Szenarien je Partei Zweitstimmen und gewonnene Wahlkreise ein.

Die Rechnung folgt mehreren Schritten. Zuerst werden die Sitze nach den Zweitstimmen verteilt. Dafür wird das Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren verwendet: Die Zweitstimmen einer Partei werden durch einen Divisor geteilt, das Ergebnis wird gerundet. So entsteht die Sitzverteilung auf die Parteien, die bei der Sperrklausel oder über die Grundmandatsklausel berücksichtigt werden.

Danach werden die Sitze einer Partei auf ihre Landeslisten verteilt. In jedem Land gilt dann: Wahlkreissieger mit Mandat sind die gedeckten Wahlkreise, also höchstens so viele, wie die Partei dort Listensitze hat. In Worten lautet die Kernrechnung: Nimm die gewonnenen Wahlkreise im Land und die Listensitze im Land; die kleinere Zahl ist die Zahl der direkt einziehenden Wahlkreissieger. Die Differenz bleibt ohne Mandat.

Beispiel Baden-Württemberg: Die CDU gewann dort 35 Wahlkreise, hatte aber 29 Sitze über die Landesliste. Gedeckt sind damit 29 Wahlkreise, ohne Mandat bleiben 6. Dasselbe Prinzip erklärt auch die Gesamtzahl der Bundestagswahl 2025: Insgesamt blieben 23 Wahlkreise ohne Mandat, verteilt auf CDU 15, AfD 4, CSU 3 und SPD 1.

Überhangmandate berechnen: Was zeigt der Vergleich mit der Altregel?

Der Vergleich mit der Altregel zeigt, wie stark das frühere System den Bundestag vergrößert hätte. Bei der Bundestagswahl 2025 bleibt das Parlament nach Wahlrecht 2023 bei 630 Sitzen. Nach der früheren Logik mit Überhang und vollem Ausgleich wären es 683 Sitze geworden. Das entspricht einer Vergrößerung um 8,4 %.

Die Ursache liegt in den nicht gedeckten Direktmandaten. Nach alter Logik wären daraus 23 Überhangmandate entstanden. Damit die Sitzanteile der anderen Parteien wieder zum Zweitstimmenergebnis passen, wären zusätzlich 30 Ausgleichsmandate nötig gewesen.

Der Vergleich der Parteien macht den Effekt sichtbar:

Partei Wahlrecht 2023 Altregel
CDU 164 179
AfD 152 165
SPD 120 130
GRÜNE 85 92
Die Linke 64 69
CSU 44 47
SSW 1 1

Wichtig ist: Die Altregel ist hier keine Prognose für das geltende Recht, sondern ein Vergleich. Sie beantwortet die Frage, wie groß das Parlament geworden wäre, wenn Überhangmandate weiterhin behalten und ausgeglichen würden.

Wann bleiben Wahlkreise ohne direkt gewählten Abgeordneten?

Ein Wahlkreis bleibt ohne direkt gewählten Abgeordneten, wenn die Partei im betreffenden Land mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr dort nach Zweitstimmen Sitze zustehen. Dann ziehen die erfolgreichsten Wahlkreisbewerber dieser Partei ein, bis die Zahl der gedeckten Sitze erreicht ist. Die übrigen Wahlkreissieger erhalten kein Mandat.

Bei der Bundestagswahl 2025 betraf das mehrere Länder. In Hessen gewann die CDU 20 Wahlkreise, hatte aber 15 Listensitze; ohne Mandat blieben 5. In Rheinland-Pfalz waren es bei der CDU 14 gewonnene Wahlkreise und 11 Listensitze, also 3 ohne Mandat. In Bayern gewann die CSU 47 Wahlkreise, hatte 44 Listensitze und damit 3 nicht gedeckte Wahlkreise.

Auch kleinere Differenzen zählen. In Bremen gewann die SPD 2 Wahlkreise, hatte aber 1 Listensitz; dadurch blieb 1 Wahlkreis ohne Mandat. Bei der AfD gab es Beispiele mit 1 nicht gedeckten Wahlkreis, etwa in Sachsen-Anhalt mit 8 gewonnenen Wahlkreisen und 7 Listensitzen.

Für die politische Einordnung ist entscheidend: Der Wahlkreis verschwindet nicht. Er hat nur keinen direkt gewählten Abgeordneten aus diesem Wahlkreis. Die Partei kann weiterhin über Listenmandate im Parlament vertreten sein, wenn ihr nach Zweitstimmen Sitze zustehen.

Typische Fehler bei Zweitstimmendeckung, Sperrklausel und Grundmandatsklausel

Der häufigste Fehler ist, Erststimmen und Zweitstimmen zu vermischen. Direktmandate entstehen über Wahlkreise, die Sitzanteile der Parteien aber über Zweitstimmen. Eine Partei kann viele Wahlkreise gewinnen und trotzdem nicht alle Wahlkreissieger ins Parlament bringen, wenn die Zweitstimmendeckung fehlt.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, dass unter der Sperrklausel immer keine Sitze entstehen. Das stimmt nicht automatisch, wenn die Grundmandatsklausel gilt. Im Beispiel mit der Linken reichen 4,5 % Zweitstimmen und 3 gewonnene Wahlkreise, damit die Partei berücksichtigt wird. Das Ergebnis sind 33 Sitze, davon 3 gedeckte Wahlkreise und 30 Listenmandate.

Anders sieht es aus, wenn die Grundmandatsklausel nicht greift. In einem Beispiel mit SPD 4 % Zweitstimmen und 3 gewonnenen Wahlkreisen, aber abgeschalteter Grundmandatsklausel, bleiben 3 Wahlkreissieger ohne Mandat. Das Parlament bleibt bei 630 Sitzen.

Achte außerdem auf die Regelgröße. Ein Szenario mit 598 Sitzen kann mehr nicht gedeckte Wahlkreise zeigen als dasselbe Kräfteverhältnis mit größerem Parlament. In einem Beispiel mit 598 Sitzen entstehen 17 Wahlkreise ohne Mandat; nach Altregel wären daraus 17 Überhangmandate und 36 Ausgleichsmandate geworden, zusammen 651 Sitze.

Tabellen zum Nachschlagen

Bundestagswahl 2025: Wahlkreise ohne Abgeordneten nach Ländern

Nachgerechnet aus den amtlichen Zweitstimmen und Wahlkreisergebnissen - identisch mit dem amtlichen Ergebnis (23 Wahlkreise).
LandParteiWahlkreise gewonnenSitze Landeslisteohne Mandat
Schleswig-HolsteinCDU981
HessenCDU20155
Rheinland-PfalzCDU14113
Baden-WürttembergCDU35296
BrandenburgAfD981
Mecklenburg-VorpommernAfD651
SachsenAfD15141
Sachsen-AnhaltAfD871
BremenSPD211
BayernCSU47443

Bundestag 2025: Sitze nach neuem Wahlrecht und nach Altregel

Mit Überhang und vollem Ausgleich (vereinfacht) hätte der Bundestag 683 statt 630 Sitze gehabt.
ParteiSitze 2025Wahlkreiseohne MandatAltregel
CDU16414315179
AfD152464165
SPD120451130
GRÜNE8512092
Die Linke646069
CSU4447347
SSW1001

Überhangmandate und Ausgleichsmandate seit 1994

Amtliche Werte (Die Bundeswahlleiterin). 2021: drei Überhangmandate blieben unausgeglichen. 2025: nicht zugeteilte Wahlkreise statt Überhang.
WahlRegelgrößeÜberhangAusgleichBundestag
1.994656160672
1.998656130669
2.00259850603
2.005598160614
2.009598240622
2.013598429631
2.0175984665709
2.02159834104736
2.025630230630

Beispiele zum Ausprobieren

Grafiken für deine Website

Du darfst die Grafiken kostenlos in Blogs, Artikeln, Präsentationen oder im Unterricht verwenden - einzige Bedingung ist ein Link auf diese Seite als Quelle (Lizenz CC BY 4.0).

Überhangmandate-Rechner: Seit der Wahlrechtsreform 2023 gibt es keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr: Der Bundestag hat fest 630 Sitze, und Wahlkreissieger ziehen nur ein, soweit ihre Partei im Land genug Zweitstimmen-Sitze hat. Bei der Bundestagswahl 2025 blieben so 23 Wahlkreise ohne direkt gewählten Abgeordneten (CDU 15, AfD 4, CSU 3, SPD 1); nach altem Recht wäre der Bundestag deutlich größer geworden.
Auf einen Blick
PNG herunterladen
Bundestagswahl 2025: Wahlkreise ohne Abgeordneten nach Ländern (Tabelle)
Bundestagswahl 2025: Wahlkreise ohne Abgeordneten nach Ländern
PNG herunterladen

Häufige Fragen

Gibt es noch Überhangmandate im Bundestag?

Nein, nach dem Wahlrecht 2023 werden Überhangmandate im Bundestag nicht mehr als zusätzliche Sitze vergeben. Der Rechner zeigt sie nur im Vergleich zur Altregel. Bei der Bundestagswahl 2025 wären nach alter Logik 23 Überhangmandate entstanden, das Parlament bleibt nach geltendem Recht aber bei 630 Sitzen.

Was bedeutet Zweitstimmendeckung einfach erklärt?

Zweitstimmendeckung bedeutet, dass ein gewonnener Wahlkreis nur dann zu einem Mandat führt, wenn die Partei dafür genug Sitze aus ihrem Zweitstimmenergebnis hat. Hat sie in einem Land mehr Wahlkreissieger als Listensitze, ziehen nur die gedeckten Wahlkreissieger ein. Die übrigen bleiben ohne Mandat.

Wie viele Wahlkreise blieben 2025 ohne direkt gewählten Abgeordneten?

2025 blieben 23 Wahlkreise ohne direkt gewählten Abgeordneten. Betroffen waren CDU 15, AfD 4, CSU 3 und SPD 1. Das liegt nicht daran, dass diese Wahlkreise nicht gewonnen wurden, sondern daran, dass die jeweiligen Parteien in den Ländern nicht genug Zweitstimmen-Sitze hatten.

Wie groß wäre der Bundestag 2025 nach altem Wahlrecht geworden?

Nach der Altregel wäre der Bundestag 2025 auf 683 Sitze gewachsen. Der Vergleich setzt 23 Überhangmandate und 30 Ausgleichsmandate an. Nach Wahlrecht 2023 passiert diese Vergrößerung nicht; die Sitzzahl bleibt bei 630 Sitzen.

Was ist der Unterschied zwischen Überhangmandaten und Ausgleichsmandaten?

Überhangmandate entstehen nach alter Logik, wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen Sitze zustehen. Ausgleichsmandate bekommen andere Parteien, damit die Sitzverteilung wieder zum Zweitstimmenergebnis passt. Im Bundestagsvergleich 2025 wären es 23 Überhangmandate und 30 Ausgleichsmandate gewesen.

Wie wirkt die Grundmandatsklausel bei Parteien unter 5 %?

Mit Grundmandatsklausel kann eine Partei trotz weniger als 5 % berücksichtigt werden, wenn sie 3 Wahlkreise gewinnt. Im Beispiel erreicht die Linke 4,5 % und 3 Wahlkreise. Sie erhält dadurch 33 Sitze, davon 3 gedeckte Wahlkreise und 30 Listenmandate.

Was passiert bei eigenen Szenarien mit sehr vielen Direktmandaten?

Bei vielen Direktmandaten prüft der Rechner, ob die Wahlkreise durch Zweitstimmen-Sitze gedeckt sind. Im Beispiel mit CDU/CSU 28 % und 195 Wahlkreisen bleiben 11 Wahlkreise ohne Mandat. Nach Altregel hätte das 11 Überhangmandate, 26 Ausgleichsmandate und 667 Sitze ergeben.

Kann ich mit dem Überhangmandate-Rechner Landtagswahlen berechnen?

Nur eingeschränkt, denn der Rechner bildet die hier beschriebenen Regeln für Bundestags-Szenarien und den Vergleich zur Altregel ab. Landtagswahlrechte können andere Sperrklauseln, Sitzgrößen, Ausgleichsregeln oder Besonderheiten haben. Für eine grobe Modellrechnung kannst du eigene Werte eingeben, rechtlich verbindlich ist das Ergebnis nicht.

Quellen und Prüfung

Erstellt von
Sebastian Wiercinski, Herausgeber
Stand
23.09.2026, Werte gültig ab 23.02.2025
Diese Seite zitieren

Überhangmandate-Rechner. Rechnerinfo, Stand 23.09.2026. https://rechner-info.de/freizeit/ueberhangmandate-rechner