Gefühlte Temperatur

Gefühlte Temperatur aus Wind und Luftfeuchte: 5 °C bei 20 km/h Wind fühlen sich wie 1,1 °C an, 32 °C bei 70 % wie 40 °C. Mit Tabellen und PMV.

Stand 23.09.2026Quelle: MeteoSchweizVon Sebastian Wiercinski

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Mittelwind in 10 m Höhe, wie im Wetterbericht. Böen nicht verwenden.

Windeinheit
Gefühlte Temperatur1,1 °C
Unterschied zur Lufttemperatur
-3,9 K
Verwendete Methode
Windchill (JAG/TI-Formel, wie DWD und MeteoSchweiz)
Einstufung
Kühl: Eine winddichte Jacke reicht meist.
Zum Vergleich: Windchill
1,1 °C
Zum Vergleich: Apparente Temperatur
-1,2 °C
Rechenweg mit deinen Zahlen
  1. v^0,16 = 20,0^0,16 = 1,6150
  2. WCT = 13,12 + 0,6215·5 − 11,37·1,6150 + 0,3965·5·1,6150 = 1,1 °C

Was meint gefühlte Temperatur genau?

Die gefühlte Temperatur beschreibt, wie dein Körper die Wetterlage oder einen Raum thermisch wahrnimmt. Sie ist keine zweite Lufttemperatur am Thermometer. Sie kombiniert Lufttemperatur mit Faktoren, die den Wärmeverlust oder die Wärmebelastung verändern: Wind, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Aktivität und Kleidung.

Draußen gibt es dafür unterschiedliche Verfahren. Bei kaltem, windigem Wetter passt Windchill: Wind nimmt der Haut Wärme, deshalb fühlt sich die gleiche Lufttemperatur kälter an. Bei heißem, feuchtem Wetter passt der Hitzeindex: Hohe Luftfeuchte erschwert das Schwitzen, deshalb fühlt sich Hitze belastender an. Für mildere Lagen mit Wind und Feuchte kann die apparente Temperatur sinnvoller sein, weil sie beide Effekte gemeinsam betrachtet.

In Innenräumen geht es nicht um Windchill oder Hitzeindex, sondern um thermischen Komfort. Dafür nutzt der Rechner PMV und PPD nach ISO 7730. PMV beschreibt das erwartete Wärmeempfinden von -3 bis +3. PPD gibt an, welcher Anteil der Menschen voraussichtlich unzufrieden ist. Dadurch kann ein Büro bei gleicher Lufttemperatur je nach Kleidung, Tätigkeit und Luftbewegung sehr unterschiedlich bewertet werden.

Wie wird die gefühlte Temperatur berechnet?

Du wählst die passende Berechnung oder lässt automatisch auswählen und gibst Temperatur, Wind, Luftfeuchte sowie bei Raumkomfort Aktivität und Kleidung ein.

Beim Windchill wird die Lufttemperatur mit der Windgeschwindigkeit verknüpft. In Worten: Zur Lufttemperatur kommt ein temperaturabhängiger Anteil, davon wird ein windabhängiger Anteil abgezogen, anschließend kommt ein gemeinsamer Anteil aus Temperatur und Wind hinzu. Die verwendete Formel lautet: WCT = 13,12 + 0,6215·T - 11,37·v^0,16 + 0,3965·T·v^0,16. Dabei steht T für °C und v für km/h.

Ein Beispiel: Bei 5 °C, 20 km/h Wind und 60 % relativer Luftfeuchtigkeit nutzt die automatische Auswahl Windchill. Zuerst wird der Windanteil berechnet: v^0,16 = 20,0^0,16 = 1,6150. Eingesetzt ergibt das: WCT = 13,12 + 0,6215·5 - 11,37·1,6150 + 0,3965·5·1,6150 = 1,1 °C. Der Unterschied zur Lufttemperatur beträgt -3,9 K.

Das zeigt auch, warum der reine Blick aufs Thermometer täuschen kann. Bei 5 °C kann sich ein Spaziergang noch recht mild anfühlen, bei spürbarem Wind aber eher wie knapp über dem Gefrierpunkt. Die Einstufung im Beispiel lautet: kühl, eine winddichte Jacke reicht meist.

Welche Tabelle gilt wann: Windchill, Hitzeindex oder apparente Temperatur?

Für Kälte und Wind nimmst du Windchill. Bei 0 °C und 30 km/h Wind liegt die gefühlte Temperatur bei -6,5 °C. Bei -5 °C und 50 km/h Wind sind es -15,0 °C. Die Einordnung wechselt dann deutlich: Mütze, Handschuhe und winddichte Kleidung sind sinnvoll, bei langem Aufenthalt kann Unterkühlung drohen.

Für Hitze und hohe Feuchte nimmst du den Hitzeindex. Bei 30 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit ergibt sich 32,8 °C. Das wird als große Vorsicht eingestuft: Hitzekrämpfe und Erschöpfung sind möglich, außerdem liegt eine starke Wärmebelastung nach DWD vor. Bei 35 °C und 80 % Luftfeuchtigkeit steigt der Hitzeindex auf 56,5 °C. Das ist extreme Gefahr: Hitzschlag ist sehr wahrscheinlich.

Die apparente Temperatur passt, wenn Wind und Feuchte gemeinsam betrachtet werden sollen, vor allem bei milderen Bedingungen. Bei 25 °C, 40 km/h Wind und 50 % Luftfeuchtigkeit ergibt sich 18,4 °C. Bei 10 °C, 20 km/h Wind und 70 % Luftfeuchtigkeit sind es 4,9 °C. Zum Vergleich läge der Windchill dort bei 7,4 °C. Je nachdem, ob du Kälte durch Wind oder das Gesamtgefühl mit Feuchte betrachten willst, fällt die Zahl also unterschiedlich aus.

Wann nutzt du den Rechner für thermischen Komfort im Raum?

Für Büros, Wohnräume oder Veranstaltungsräume ist der Raumkomfort nach ISO 7730 passender als Windchill oder Hitzeindex. Der Grund: Innen entscheidet nicht nur die Lufttemperatur. Eine sitzende Person mit Sommerkleidung empfindet denselben Raum anders als jemand mit stehender Tätigkeit oder wärmerer Kleidung.

Ein typisches Büro-Beispiel: Bei 26 °C, 50 % Luftfeuchtigkeit, 0,1 m/s Luftbewegung, Büroarbeit und Sommerkleidung ergibt sich PMV = 0,38. Das Empfinden ist neutral und behaglich, PPD liegt bei 8,1 %. Die Komfortkategorie ist Kategorie B. Behaglich bei PMV = 0 wäre diese Kombination bei 24,7 °C.

Anders sieht es bei 22 °C, 50 % Luftfeuchtigkeit, 0,1 m/s Luftbewegung, Büroarbeit und Sommerkleidung aus. Dann liegt PMV bei -0,81, das Empfinden ist leicht kühl und PPD beträgt 18,9 %. Der Raum fällt außerhalb der Komfortkategorien der ISO 7730. Noch ein Gegenbeispiel: Bei 24 °C, 55 % Luftfeuchtigkeit, 0,1 m/s Luftbewegung, leichter stehender Tätigkeit und sehr leichter Kleidung ergibt sich PMV = 0,16, neutral und behaglich, mit PPD = 5,5 % und Kategorie A.

Für Vergleiche solltest du immer nur eine Eingabe ändern, etwa erst die Kleidung, dann die Luftbewegung. So erkennst du, ob die Beschwerde eher an der Raumtemperatur, an Zugluft, an der Tätigkeit oder an der Bekleidung liegt.

Welche Fehler verfälschen die gefühlte Temperatur häufig?

Der häufigste Fehler ist die falsche Windangabe. Für Windchill zählt der Mittelwind in 10 m Höhe, wie im Wetterbericht. Böen solltest du nicht eintragen. Böen können sich für kurze Zeit heftiger anfühlen, liefern aber keine passende Grundlage für die Formel.

Auch die Windeinheit muss stimmen. Wenn du km/h, m/s und Beaufort verwechselst, verändert sich das Ergebnis stark. Bei 5 °C und 80 km/h Wind kommt der Rechner auf -2,7 °C; bei anderen Windangaben wäre das nicht vergleichbar. Bei Hitze ist dagegen die Luftfeuchtigkeit der kritische Punkt. 32 °C bei 70 % Luftfeuchte ergeben 40,4 °C, während Wind in der Hitzeindex-Rechnung nicht der tragende Eingangswert ist.

Für Sicherheitsentscheidungen reicht die Modellrechnung allein nicht immer. Schatten, direkte Sonne, nasse Kleidung, körperliche Belastung, Vorerkrankungen, Medikamente und die tatsächliche Situation vor Ort können die Belastung verändern. Bei Warnlagen, Outdoor-Training, Arbeit im Freien oder Veranstaltungen solltest du deshalb lokale Messwerte, Wetterwarnungen und die Belastung der betroffenen Personen zusätzlich prüfen. Der Rechner hilft dir bei der Einordnung, ersetzt aber keine Entscheidung vor Ort.

Tabellen zum Nachschlagen

Windchill-Tabelle: gefühlte Temperatur bei Wind

Gefühlte Temperatur in °C nach JAG/TI-Formel; Wind in km/h
Luft5 km/h10 km/h20 km/h30 km/h40 km/h50 km/h60 km/h80 km/h
10 °C109776554
5 °C4310-1-1-2-3
0 °C-2-3-5-6-7-8-9-10
-5 °C-7-9-12-13-14-15-16-17
-10 °C-13-15-18-20-21-22-23-24
-15 °C-19-21-24-26-27-29-30-31
-20 °C-24-27-30-33-34-35-36-38
-25 °C-30-33-37-39-41-42-43-45
-30 °C-36-39-43-46-48-49-50-52

Gefühlte Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Hitzeindex-Tabelle

Gefühlte Temperatur in °C nach NOAA; ab 32 °C warnt der DWD vor starker, ab 38 °C vor extremer Wärmebelastung
Luft30 %40 %50 %60 %70 %80 %90 %
27 °C26272728293031
28 °C27282829313234
30 °C29303133353841
32 °C31323437404449
34 °C33353842475258
36 °C36394348546169
38 °C39434955637181
40 °C43485563728395
42 °C475462718295109

Apparente Temperatur bei mildem Wetter

Steadman/BoM ohne Sonnenstrahlung; Wind in km/h - Sonne kann gefühlt mehrere Grad dazugeben
Luft / Feuchte0 km/h10 km/h20 km/h30 km/h
10 °C / 40 %7,65,73,71,8
10 °C / 70 %8,86,94,93,0
15 °C / 40 %13,211,39,47,4
15 °C / 70 %14,913,011,09,1
20 °C / 40 %19,117,115,213,2
20 °C / 70 %21,419,417,515,6
25 °C / 40 %25,223,221,319,3
25 °C / 70 %28,326,424,422,5
30 °C / 40 %31,629,627,725,7
30 °C / 70 %35,833,831,929,9

Welche Raumtemperatur ist behaglich? (PMV = 0)

Nach DIN EN ISO 7730 bei 50 % Luftfeuchte und ruhiger Luft (0,1 m/s), in °C
AktivitätSehr leicht: Shorts, T-ShirtSommer: leichte Hose, kurzes HemdÜbergang: Hose, langes HemdWinter drinnen: Hose, Pullover
Sitzend, entspannt (1,0 met)27,226,124,923,3
Sitzend, Büroarbeit (1,2 met)25,924,723,421,6
Stehend, leichte Tätigkeit (1,6 met)23,522,020,418,1
Stehend, mittlere Tätigkeit (2,0 met)21,219,417,514,8

Beispiele zum Ausprobieren

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Du darfst die Grafiken kostenlos in Blogs, Artikeln, Präsentationen oder im Unterricht verwenden - einzige Bedingung ist ein Link auf diese Seite als Quelle (Lizenz CC BY 4.0).

Gefühlte Temperatur: Wind macht Kälte gefühlt kälter, Feuchte macht Hitze gefühlt heißer: 5 °C bei 20 km/h Wind fühlen sich wie 1 °C an (Windchill), 32 °C bei 70 % Luftfeuchte wie 40 °C (Hitzeindex). Ab einer gefühlten Temperatur von 32 °C warnt der DWD vor starker Wärmebelastung.
Auf einen Blick
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Windchill-Tabelle: gefühlte Temperatur bei Wind (Tabelle)
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Häufige Fragen

Wie berechnet man die gefühlte Temperatur?

Die gefühlte Temperatur wird je nach Wetterlage mit Windchill, Hitzeindex, apparenter Temperatur oder Raumkomfort berechnet. Bei Kälte zählt vor allem Wind, bei Hitze die Luftfeuchtigkeit. Für Räume werden zusätzlich Aktivität, Kleidung und Luftbewegung berücksichtigt. Der Rechner wählt automatisch eine passende Methode, wenn du diese Einstellung nutzt.

Wie hoch ist die gefühlte Temperatur bei 0 °C und 30 km/h Wind?

Bei 0 °C und 30 km/h Wind beträgt die gefühlte Temperatur -6,5 °C. Der Unterschied zur Lufttemperatur liegt bei -6,5 K. Verwendet wird Windchill. Das fühlt sich frisch bis kalt an; Wind ist unangenehm, Erfrierungen sind in dieser Einstufung aber noch unwahrscheinlich.

Wie hoch ist der Hitzeindex bei 30 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit?

Der Hitzeindex bei 30 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit beträgt 32,8 °C. Das liegt 2,8 K über der Lufttemperatur. Die Einstufung lautet große Vorsicht: Hitzekrämpfe und Erschöpfung sind möglich. Nach DWD entspricht das starker Wärmebelastung über 32 °C.

Wie heiß fühlt sich 35 °C bei 80 % Luftfeuchtigkeit an?

35 °C bei 80 % Luftfeuchtigkeit fühlen sich nach Hitzeindex wie 56,5 °C an. Der Unterschied zur Lufttemperatur beträgt 21,5 K. Die Einstufung ist extreme Gefahr: Hitzschlag ist sehr wahrscheinlich. Solche Werte solltest du nicht wie eine normale Sommertemperatur behandeln.

Was bedeutet apparente Temperatur?

Apparente Temperatur ist eine gefühlte Temperatur, die Wind und Luftfeuchtigkeit gemeinsam einbezieht. Bei 25 °C, 40 km/h Wind und 50 % Luftfeuchtigkeit ergibt sie 18,4 °C. Sie ist besonders nützlich, wenn es weder klar um Frost-Windchill noch um schwüle Hitze geht.

Wann nehme ich Windchill und wann Hitzeindex?

Windchill nimmst du bei kühlen Bedingungen mit Wind, Hitzeindex bei warmen Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wenn beide Effekte in einer milden Wetterlage zusammenkommen, kann die apparente Temperatur besser passen. Für Innenräume ist dagegen der Raumkomfort nach ISO 7730 die passendere Wahl.

Was sagen PMV und PPD beim thermischen Komfort aus?

PMV sagt, wie warm oder kühl ein Raum im Mittel empfunden wird, PPD schätzt den Anteil unzufriedener Personen. Bei 26 °C, 50 % Luftfeuchtigkeit, 0,1 m/s Luftbewegung, Büroarbeit und Sommerkleidung ergibt sich PMV = 0,38 und PPD = 8,1 %. Das gilt als neutral und behaglich.

Kann ich mit der gefühlten Temperatur Outdoor-Training planen?

Ja, als Orientierung kannst du die gefühlte Temperatur für Outdoor-Training nutzen. Sie ersetzt aber keine Prüfung vor Ort. Wind, Sonne, Schatten, Kleidung, Gesundheitszustand und Belastungsdauer können das Risiko verändern. Bei großer Hitze, starkem Wind oder Warnlage solltest du zusätzlich lokale Wetterwarnungen und Messwerte prüfen.

Quellen und Prüfung

Erstellt von
Sebastian Wiercinski, Herausgeber
Stand
23.09.2026

Die Berechnung ist eine Modellrechnung zur Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung.

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Gefühlte Temperatur. Rechnerinfo, Stand 23.09.2026. https://rechner-info.de/wetter/gefuehlte-temperatur-rechner