Erwartungswert

Erwartungswert berechnen: E(X) = Σ x · P(X = x). Beim Würfeln ist E = 3,5. Mit Varianz, σ, Brüchen wie 1/6 und Binomialverteilung E = n · p.

Stand 23.09.2026Quelle: Serlo EducationVon Sebastian Wiercinski

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Verteilung

Mögliche Ergebnisse, z. B. Augenzahlen oder Gewinne (Verlust negativ: -2).

In gleicher Reihenfolge, als Bruch (1/6), Dezimalzahl (0,25) oder Prozent (25 %). Leer lassen = alle gleich wahrscheinlich.

Erwartungswert E(X)3,5
Varianz Var(X)
2,9167
Standardabweichung σ
1,7078
Summe der Wahrscheinlichkeiten
1
Bedeutung
Bei vielen Wiederholungen liegt der Durchschnitt der Ergebnisse nahe 3,5.
Wahrscheinlichkeitsverteilung
05101520123456
P(X = x)
Rechentabelle
xP(X = x)x · p(x − E)² · pP(X ≤ x)
10,16670,16671,04170,1667
20,16670,33330,3750,3333
30,16670,50,041670,5
40,16670,66670,041670,6667
50,16670,83330,3750,8333
60,166711,04171
Rechenweg mit deinen Zahlen
  1. E(X) = 1 · 0,1667 + 2 · 0,1667 + 3 · 0,1667 + 4 · 0,1667 + 5 · 0,1667 + 6 · 0,1667 = 3,5
  2. Var(X) = Σ (x − 3,5)² · p = 2,9167
  3. σ = √2,9167 = 1,7078

Was bedeutet Erwartungswert berechnen?

Wenn du den Erwartungswert berechnen willst, suchst du den langfristigen Durchschnitt einer Zufallsgröße. Du fragst also nicht: Was passiert beim nächsten Versuch? Sondern: Welcher Wert ergibt sich im Mittel, wenn derselbe Zufallsversuch sehr oft wiederholt wird?

Beim fairen Würfel ist der Erwartungswert 3,5. Diese Zahl kann bei einem einzelnen Wurf gar nicht fallen. Trotzdem ist sie sinnvoll: Sie beschreibt die Lage der Verteilung. Kleine und große Augenzahlen gleichen sich über viele Würfe aus, der Durchschnitt bewegt sich dann in Richtung 3,5.

Der Erwartungswert ist damit eng mit dem Mittelwert verwandt, aber nicht dasselbe. Der Mittelwert wird aus beobachteten Daten gebildet, etwa aus deinen tatsächlich geworfenen Ergebnissen. Der Erwartungswert wird aus der Wahrscheinlichkeitsverteilung berechnet, also aus den möglichen Werten und ihren Wahrscheinlichkeiten. Wenn du die Verteilung kennst, kannst du den Erwartungswert bestimmen, ohne vorher Daten zu sammeln.

Im Rechner wählst du die Verteilung aus und gibst entweder Werte mit Wahrscheinlichkeiten oder bei einer Binomialverteilung die Anzahl der Versuche und die Trefferwahrscheinlichkeit ein.

Wie funktioniert die Erwartungswert Formel?

Die Erwartungswert Formel lautet in Worten: Multipliziere jeden möglichen Wert mit seiner Wahrscheinlichkeit und addiere alle Produkte. In Zeichen steht das als E(X) = Σ xᵢ · pᵢ. Für die Varianz rechnest du danach mit den Abständen der Werte zum Erwartungswert: Var(X) = Σ (xᵢ − E(X))² · pᵢ. Die Standardabweichung σ ist die Wurzel aus der Varianz.

Ein durchgerechnetes Beispiel ist der faire Würfel. Die Werte sind 1, 2, 3, 4, 5 und 6. Jede Augenzahl hat dieselbe Wahrscheinlichkeit. In der Rechnung sieht das so aus:

E(X) = 1 · 0,1667 + 2 · 0,1667 + 3 · 0,1667 + 4 · 0,1667 + 5 · 0,1667 + 6 · 0,1667 = 3,5

Danach wird die Streuung um diesen Wert berechnet:

  • Var(X) = Σ (x − 3,5)² · p = 2,9167
  • σ = √2,9167 = 1,7078

Die Varianz misst die mittlere quadratische Abweichung vom Erwartungswert. Sie ist dadurch weniger anschaulich als der Erwartungswert selbst, aber rechnerisch sehr nützlich. Die Standardabweichung liegt wieder in der Einheit der ursprünglichen Zufallsgröße. Beim Würfel heißt σ = 1,7078: Einzelne Würfe schwanken merklich um den langfristigen Durchschnitt, auch wenn der Erwartungswert klar bei 3,5 liegt.

Erwartungswert Würfel und Binomialverteilung richtig einordnen

Beim Würfeln ist der Erwartungswert besonders anschaulich. Ein Würfel hat den Erwartungswert 3,5 für die Augenzahl. Wenn du mehrere Würfel zusammenzählst, steigt der Erwartungswert der Summe entsprechend. Gleichzeitig wächst auch die Streuung.

Würfel E(Augensumme) Varianz σ
1 3,5 2,9167 1,7078
2 7 5,8333 2,4152
3 10,5 8,75 2,958
10 35 29,1667 5,4006
20 70 58,3333 7,6376

Bei der Binomialverteilung geht es um die Anzahl der Treffer in wiederholten gleichen Versuchen. Die Erwartungswert Formel ist hier kürzer: E = n · p. Die Varianz lautet Var = n · p · (1 − p). Das passt etwa zu Münzwürfen, Trefferquoten oder zur Anzahl von Sechsen beim Würfeln, solange jeder Versuch dieselbe Trefferwahrscheinlichkeit hat und die Versuche unabhängig sind.

Für n = 10 und p = 0,5 erhältst du E(X) = 5, Var(X) = 2,5 und σ = 1,5811. Bei n = 20 und p = 0,3 ergibt sich E(X) = 6, Var(X) = 4,2 und σ = 2,0494. Bei n = 100 und p = 0,1 liegt der Erwartungswert bei 10, die Varianz bei 9 und die Standardabweichung bei 3.

Wichtig: Der Erwartungswert ist keine Zusage für einen einzelnen Durchlauf. Bei n = 10 und p = 0,5 bedeutet E(X) = 5 nicht, dass genau 5 Treffer eintreten müssen. Es heißt, dass 5 Treffer der langfristige Durchschnittswert dieser Verteilung sind.

Erwartungswert Gewinnspiel: fair, günstig oder ungünstig?

Bei Gewinnspielen, Einsätzen und Auszahlungen zeigt der Erwartungswert, ob eine Runde im Mittel lohnt. Dafür müssen Gewinne und Verluste aus deiner Sicht eingetragen werden. Ein Einsatz ist also ein negativer Wert, ein Auszahlungsüberschuss ein positiver Wert.

Ein Beispiel: Du setzt 5 € ein. Bei Gewinn erhältst du 20 € ausgezahlt, dein Nettoergebnis ist dann 15 €. Bei Verlust bleibt es bei -5 €. Mit den Wahrscheinlichkeiten 20 % und 80 % lautet die Rechnung:

E(X) = 15 · 0,2 + (-5) · 0,8 = -1

Der Erwartungswert ist -1. Im Mittel verlierst du also pro Runde. Die Varianz beträgt 64 und die Standardabweichung 8. Das heißt: Die einzelnen Ergebnisse können deutlich vom Mittel abweichen, obwohl die Richtung der Rechnung klar ungünstig ist.

Ein weiteres Spiel mit Auszahlungen -10 €, 0 € und 20 € bei den Wahrscheinlichkeiten 0,5, 0,3 und 0,2 hat ebenfalls E(X) = -1. Die Varianz liegt bei 129, die Standardabweichung bei 11,3578. Der gleiche Erwartungswert kann also mit unterschiedlicher Streuung verbunden sein. Für die Bewertung eines Spiels ist deshalb der Erwartungswert die erste Kennzahl, die Streuung erklärt zusätzlich, wie stark die möglichen Ergebnisse schwanken.

Ein faires Spiel hat einen Erwartungswert von 0. Ein positiver Erwartungswert ist im Mittel günstig für dich, ein negativer Erwartungswert im Mittel ungünstig. Trotzdem kann ein ungünstiges Spiel kurzfristig gewinnen und ein günstiges kurzfristig verlieren.

Welche Fehler solltest du beim Erwartungswert berechnen vermeiden?

Der häufigste Fehler ist eine unvollständige Wahrscheinlichkeitsverteilung. Die Wahrscheinlichkeiten müssen zusammen 1 ergeben. Wenn die Summe kleiner oder größer ist, beschreibst du keine vollständige Verteilung und der Erwartungswert ist verzerrt. Prozentwerte, Dezimalzahlen und Brüche sind nur unterschiedliche Schreibweisen - sie müssen aber dieselben Ereignisse abdecken.

Achte auch auf die Reihenfolge. Der erste Wert gehört zur ersten Wahrscheinlichkeit, der zweite Wert zur zweiten Wahrscheinlichkeit und so weiter. Wenn du Werte und Wahrscheinlichkeiten vertauschst, kann ein plausibel wirkendes, aber falsches Ergebnis entstehen.

Bei Geldbeträgen ist das Vorzeichen entscheidend. Ein Verlust gehört mit Minuszeichen in die Rechnung. Wenn du einen Einsatz vergisst oder als positiven Wert einträgst, sieht ein unfaires Spiel schnell besser aus, als es ist. Beim Beispiel mit 15 und -5 ist gerade das Minus bei -5 der Punkt, der den Erwartungswert auf -1 bringt.

Verwechsle den Erwartungswert außerdem nicht mit dem wahrscheinlichsten Wert oder dem Median. Der Erwartungswert kann zwischen möglichen Ergebnissen liegen, wie beim Würfel mit 3,5. Der Median teilt eine Verteilung nach Wahrscheinlichkeit, der Erwartungswert gewichtet die Werte mit ihren Wahrscheinlichkeiten. Bei symmetrischen einfachen Beispielen können beide nah beieinander liegen, bei schiefen Verteilungen aber deutlich auseinanderfallen.

Tabellen zum Nachschlagen

Erwartungswert beim Würfeln: Augensumme von 1 bis 20 Würfeln

Ein fairer Würfel: E = 3,5, Var = 35/12 ≈ 2,9167; bei n Würfeln addieren sich beide
WürfelE(Augensumme)Varianzσ
13,52,91671,7078
275,83332,4152
310,58,752,958
41411,66673,4157
517,514,58333,8188
62117,54,1833
82823,33334,8305
103529,16675,4006
207058,33337,6376

Erwartungswert der Binomialverteilung E = n · p

Zeilen = Anzahl Versuche n, Spalten = Trefferwahrscheinlichkeit p
np = 0,1p = 1/6p = 0,2p = 0,25p = 0,5p = 0,75
50,50,833311,252,53,75
1011,666722,557,5
2023,3333451015
5058,33331012,52537,5
1001016,666720255075
1.000100166,6667200250500750

Münzwurf: erwartete Anzahl Kopf bei 10 bis 1000 Würfen

E = n ÷ 2, σ = √n ÷ 2; der 2σ-Bereich enthält rund 95 % der Ergebnisse
WürfeErwartet Kopfσtypisch (E ± 2σ)
1051,58111,8 bis 8,2
20102,23615,5 bis 14,5
50253,535517,9 bis 32,1
10050540 bis 60
1.00050015,8114468,4 bis 531,6

Beispiele zum Ausprobieren

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Erwartungswert: Der Erwartungswert ist die Summe aller Werte, jeweils mal ihrer Wahrscheinlichkeit: E(X) = Σ xᵢ · pᵢ. Beim fairen Würfel ist E = (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6) · 1/6 = 3,5, bei einer Binomialverteilung gilt E = n · p, also 5 Treffer bei 10 Münzwürfen.
Auf einen Blick
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Erwartungswert beim Würfeln: Augensumme von 1 bis 20 Würfeln (Tabelle)
Erwartungswert beim Würfeln: Augensumme von 1 bis 20 Würfeln
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Häufige Fragen

Was ist der Erwartungswert einfach erklärt?

Der Erwartungswert ist der langfristige Durchschnitt einer Zufallsgröße. Du berechnest ihn, indem du jeden möglichen Wert mit seiner Wahrscheinlichkeit multiplizierst und alles addierst. Er muss kein Wert sein, der tatsächlich auftreten kann. Beim fairen Würfel liegt er bei 3,5, obwohl keine Seite 3,5 zeigt.

Wie berechnet man den Erwartungswert beim Würfel?

Beim fairen Würfel ist der Erwartungswert 3,5. Du multiplizierst die Werte 1, 2, 3, 4, 5 und 6 jeweils mit 0,1667 und addierst die Produkte. Die Varianz beträgt 2,9167, die Standardabweichung 1,7078. Ein einzelner Wurf kann davon deutlich abweichen.

Was ist der Unterschied zwischen Erwartungswert und Mittelwert?

Der Erwartungswert wird aus möglichen Werten und Wahrscheinlichkeiten berechnet, der Mittelwert aus tatsächlich beobachteten Daten. Wenn du viele Würfe notierst, ist deren Durchschnitt der Mittelwert. Der Erwartungswert des fairen Würfels ist dagegen schon vor dem Werfen bekannt: 3,5.

Warum muss die Summe der Wahrscheinlichkeiten 1 ergeben?

Die Summe der Wahrscheinlichkeiten muss 1 ergeben, weil die Verteilung alle möglichen Fälle vollständig abdecken soll. Fehlt ein Fall oder wird ein Fall doppelt gezählt, stimmt die Gewichtung nicht. Dann berechnest du zwar eine Summe aus Produkten, aber keinen passenden Erwartungswert für die Zufallsgröße.

Wie berechnet man den Erwartungswert einer Binomialverteilung?

Bei einer Binomialverteilung berechnest du den Erwartungswert mit E = n · p. Für n = 10 und p = 0,5 ist E(X) = 5. Die passende Varianz ist 2,5 und die Standardabweichung 1,5811. Gemeint ist die erwartete Trefferzahl im langfristigen Mittel.

Kann der Erwartungswert negativ sein?

Ja, der Erwartungswert kann negativ sein. Beim Gewinnspiel mit 15 und -5 als möglichen Nettoergebnissen sowie 20 % und 80 % als Wahrscheinlichkeiten ergibt sich E(X) = -1. Das bedeutet: Im Durchschnitt liegt pro Runde ein Verlust vor, auch wenn einzelne Runden gewinnen können.

Was sagen Varianz und Standardabweichung beim Erwartungswert aus?

Varianz und Standardabweichung beschreiben die Streuung um den Erwartungswert. Beim fairen Würfel ist E(X) = 3,5, die Varianz 2,9167 und σ = 1,7078. Je größer die Streuung, desto stärker können einzelne Ergebnisse vom langfristigen Durchschnitt abweichen.

Wann ist ein Spiel fair?

Ein Spiel ist fair, wenn der Erwartungswert 0 beträgt. Dann gibt es im Mittel weder Gewinn noch Verlust aus deiner Sicht. Liegt der Erwartungswert darunter, ist das Spiel rechnerisch ungünstig. Beim Beispiel mit -10 €, 0 € und 20 € ergibt sich E(X) = -1, also kein faires Spiel.

Quellen und Prüfung

Erstellt von
Sebastian Wiercinski, Herausgeber
Stand
23.09.2026
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Erwartungswert. Rechnerinfo, Stand 23.09.2026. https://rechner-info.de/mathe/erwartungswert-rechner